Die Schlüchterner Synagoge ist eines der schönsten sakralen Gebäude im neuromanischen Stil. Sie gehört zu den architektonischen Besonderheiten unter den Sakralbauten Deutschlands. Erbaut wurde sie in den Jahren 1896-1898. Die Einweihung war am 26./27. August 1898.
Gleichzeitig wurde in Angrenzung zur Synagoge der Bau eines neuen Schulhauses mit Lehrerwohnung und einer Mikwe in Angriff genommen.
Der größtenteils aus Sandsteinquadern erstellte Zentralbau der Synagoge hat einen symmetrischen, kreuzförmigen Grundriß, dessen Fassaden in allen Richtungen gleich sind. Alle sind mit farbigen Biberschwänzen und Ornamenten ausgestattet. Die Dächer besitzen die gleiche Firsthöhe. Das Gebäude hat verschiedene Türme. Auffallend sind die von Rundbögen umrahmten Radfenster.
Das Innere der Synagoge bestach früher durch seine Schlichtheit. Der Thoraschrein lag an der hinteren Seite zum Garten hin. Bis in die dreißiger Jahre floss noch exakt hinter dem Synagogengebäude ein kleiner Bach, der später verlegt wurde.
Die Synagoge bestand nur 40 Jahre; in der Pogromnacht wurde das Innere zerstört. Von 1939 bis 1945 diente das Gebäude als Lagerhalle, wurde dann aber auf Befehl der amerikanischen Militärregierung wiederhergestellt. Der Innenraum erhielt sein ursprüngliches Aussehen zurück.
Durch die Stadt Schlüchtern erfolgte in den Jahren 1950/51 der Umbau zu einem “Werkhaus”. Die Stadt vermietete das Gebäude zunächst an die Firma Steinert aus Essbach bei Coburg für die Fabrikation von Damenblusen. Später an deren Nachfolgerin, die Firma Ofra. Diese stellte ebenfalls Damenblusen her.
Am 21.02.1953 schloss die Stadt Schlüchtern mit der Firma EKA-Kleiderfabrik Kuhlmann & Co einen Mietvertrag für dieses “Werkhaus” (so wurde es im Mietvertrag aufgeführt) ab. 1955 verkaufte die Stadt Schlüchtern das Grundstück mit Synagoge und Schulgebäude an die Firma EKA-Kleiderfabrik. Im Aug./Sept. 1955 erfolgte durch den Schwiegervater des heutigen Besitzers, Herrn Kuhlmann, der Einbau einer Stahlbetondecke, und die Produktion von Damenkleidern wurde auf 2 Etagen vorgenommen.
Im April 1994 wechselten die Inhaber der EKA Kleiderfabrik Kuhlmann & Co von Robert Kuhlmann auf dessen Tochter Ursula und deren Ehemann Heinrich Heil. Das Ehepaar Heil bewohnt bis heute das ehemalige Schulgebäude der israelitischen Gemeinde.
Das Gebäude wurde bis 1969 als Kleiderfabrik genutzt. In den Jahren 1968/69 wurde im Gewerbegebiet für die Kleiderproduktion der EKA-Kleiderfabrik ein Neubau erstellt, der Ende 1969 bezogen wurde.
Auf Initiative des damaligen Landrats des Kreises Schlüchtern, Dr Seibert, Bürgermeister Dr. Anderlitschek (SPD) sowie den Eigentümern Ursula und Heinrich Heil wurde die ehemalige Synagoge dann im Parterre als Fremdenverkehrsbüro und Versammlungsraum für Vereine und im 1. Stock als Kreis- und Stadtbücherei genutzt. Während der Bauzeit des Rathausneubaus war sie zudem Einwohnermeldeamt.
Ende 1993 zog sich der Kreis als Mieter der Räumlichkeiten und Betreiber der Bibliothek aus dem Gebäude zurück. Die Kreisverwaltung hatte zuvor mit Eigentümer Herrn Heil über einen Kauf verhandelt. Der Ankauf scheiterte am Kaufpreis von 1 Mill. DM.
Im Mai 1994 wurde die Synagoge von der Stadt Schlüchtern für “kulturelle Zwecke” angemietet. Nach Renovierung wurde im Februar 1995 dort das Kulturhaus Synagoge eröffnet, im Parterre mit dem Kulturbüro der Stadt Schlüchtern sowie einen Ausstellungsraum, im Obergeschoss mit einem Saal für das Kulturkino KUKI und einem Vorführraum.
Von Februar 1995 bis September 2009 wurde das OG durch das Kulturkino KUKI -gemeinnütziger Verein – genutzt. Die Ausstattung der Räume im OG wurde weitestgehend durch den Verein geleistet.
Die Nutzung des Raums im EG als Galerie wurde ab 2000 aus Besuchermangel eingestellt. In der Folge wurde der Raum zeitweise für Schulklassen, als Vortrags- und Versammlungsraum sowie als Treff- und Caféraum der Psychosozialen Beratungsstelle “Rosengarten” genutzt.
Im Dezember 2008 schloss die Stadt Schlüchtern mit dem Verein KUKI Schlüchtern e.V. einen Untermietvertrag über die Nutzung der Räume im OG sowie der Räumlichkeiten im EG als Kinosäle.
Seit September 2009 musste der Kino-/Veranstaltungsbetrieb im Kulturhaus Synagoge eingestellt werden, da Mängel im Brandschutz vorliegen. Diese wurden durch die Stadt bis heute nicht beseitigt.
In den Räumlichkeiten besteht erheblicher Investitionsstau, insbesondere in Bezug auf Heizung, Sanitäranlagen und Türen, da Eigentümer und Stadt Schlüchtern in den vergangenen Jahren kaum in den Erhalt des Gebäudes investiert haben.
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Weitere Infos zur jüdischen Geschichte in Schlüchtern und zur Geschichte der Schlüchterner Synagoge unter http://www.alemannia-judaica.de/schluechtern_synagoge.htm
